Er saß in einem der künstlich bepflanzten Gärten und notierte mit mechanischer Geste, auf einer Insel, irgendwo im Atlantik, in sein Notizbuch.
Eine schwarze Zunge aus Vulkanstein, überzogen mit Asphalt und Glas. Ein warmer Strom strich an ihren Küstenvorbei, zog ein Viertel aller bekannten Meeressäugermit sich – Delfine, Wale, Robben und Seekühe, vergessene Gesänge in der Tiefe. Die biologische Vielfalt war beeindruckend.
Die Tage waren erfüllt. Natur, Meer, Kultur, Pflanzen.Viel Zeit zum Nachdenken. Schreiben. Fotografieren.
Es war Nostalgie, die ihn trieb, Dinge zu sammeln: Überbleibsel, Zeugnisse, Fragmente einer Menschheit, deren Zeit sich dem Ende neigte. Es war nicht Wissenschaft, was ihn leitete, sondern eine persönliche Archäologie des Verschwindens.
Er glaubte, diese Objekte müssten mit zum Mars. Dass sie dort, fern der Erde, eines Tages bezeugen könnten, wer wir gewesen waren. Doch jedes dieser Fundstücke entbehrte jeder Plausibilität. Sie sprachen nicht von Fortschritt, nicht von Vernunft. Nur von Sehnsucht.
Ein Magnetfeld aus schwarzem Sand spannte sich unter seinen Füßen. Der Wind strich durch künstliche Palmen. Unter alledem rumorte der Vulkan. Ein dumpfer Puls aus dem Innern der Erde. Vielleicht würde er bald ausbrechen, alles zurücksetzen. Vielleicht auch nicht.
Er notierte: Tag 24. Steilküste. Nach der Flut sind Felsformationen sichtbar geworden, die aussehen wie Höhlenmodelle. Vielleicht wäre das der bessere Weg gewesen: unter der Erde verschwinden. Statt in den Himmel fliehen.
Am Abend fuhr er nach Puerto de la Cruz. Dort, im Loro Parque, wurde ihm ein Schauspiel der besonderen Art geboten. „Pinguin Kingdom“ – ein Fließband der Illusion: Die Menschheit gleitet vorbei an einer nachgebauten Grönlandlandschaft. Es ist exakt null Grad. Schneekanonen blasen feinen Staub auf das Fell der Kaiserpinguine. Alles glitzert. Niemand spricht. Er denkt: Hier wird die Zukunft mit der Energie der Vergangenheit eingefroren. Eine Simulation von etwas, das es bald nicht mehr geben wird. Und wenn die Kamera sich dreht – wie würde ein Gegenschussfilm aussehen?